Albanien

November 1991

Der Hintergrund
Der mittlerweile verstorbene Journalist Horst Wesseler gründete Anfang der 90er Jahre den Verein Europäer für Albanien . Ziel, diesem Land in einer sehr stürmischen Übergangsphase von Kommunismus zu Demokratie Hilfe zu leisten. Zunächst wurden Medikamente, Kleidung und Nahrungsmittel nach Albanien gebracht. Später wurden dann auch Kontakte vermittelt, wie z.B. zwischen der Gemeinde Weilerswist und der albanischen Stadt Kruja.
Ich kannte Herrn Wesseler und seine Familie über die gemeinsame Mitgliedschaft in der F.D.P. Weilerswist, und wurde so eines der Gründungsmitglieder des Vereins. Bei der ersten Lieferung von Hilfsgütern war ich dann auch mit dabei.

Die Fahrt
Wir hatten von der Bundeswehr drei alte Fahrzeuge aus Beständen der NVA bekommen, die wir per Bahn nach Triest transportierten. Von dort ging es dann mit der Fähre über Bari nach Durres. Albanien war seinerzeit für viele Westeuropäer so exotisch, daß manche meiner damaligen Kollegen das Land mit asiatischen GUS-Republiken wie Kasachstan verwechselten. Meine Erklärung, daß das Land vis a vis von Italien am Mittelmeer liegt, stiessen öfters auf Erstaunen.
Allerdings hatte die stalinistische Führung Albaniens in der Tat eine jahrzehntelange Isolationspolitik betrieben. Und der Rest Europas war auf die plötzliche Öffnung des Landes auch nicht vorbereitet - dies fiel mir besonders im Hafen von Bari auf. Dort standen auf einem Gebäude in grossen Buchstaben Willkommensgrüsse - auf Italienisch, Englisch, Französisch und Kroatisch. Albanien war offenkundig nicht vorgesehen.

  Eindrücke
Seinerzeit galt Albanien als das ärmste Land in Europa. Im Sommer hatten tausende Albaner im Hafen von Durres Schiffe gestürmt, um über die Adria das Land zu verlassen. Mancher wird sich vielleicht noch an die dramatischen Bilder aus dem Hafen von Bari erinnern, wohin die gestürmten Schiffe dann fuhren. Auch zu Botschaftsbesetzungen war es gekommen, und das entsprechende Viertel war auch während unseres Besuchs von der Polizei abgeriegelt.
Die wenigen Hotels waren extrem teuer, ohne auch nur entfernt westliche Standards zu erreichen. Und in ganz Tirana gab es erst ein privates Restaurant. Dennoch war überall private Initiative spürbar, und die Menschen waren nach all den Jahren der Isolation ausgesprochen interessiert daran, mit Fremden ins Gespräch zu kommen.
Landschaftlich war und ist Albanien ein wunderschönes Fleckchen Erde - mit feinen Sandstränden an der Küste, und beeindruckenden Gebirgslandschaften im Inneren. Allerdings hatten 40 Jahre kommunistischer Misswirtschaft viele Narben hinterlassen, z.B. unzählige kleine Bunker, die überall zu sehen waren.
Besonders krass hatten die Kommunisten in der Gotteshäusern gewütet. Enver Hoxha hatte Albanien zum ersten atheistischen Staat der Welt erklärt, und jede Religionsausübung stand jahrelang unter Strafe. Unvergessen wird mir der Besuch in einer orthodoxen Kirche in Elbasan bleiben. Dort hatten die Kommunisten alle Ikonen entfernt, um sie gegen harte Devisen zu verscherbeln. Der Reichtum aus solchen Verkäufen kam übrigens fast ausschliesslich den herrschenden Familien Hoxha, Shehu, Alia etc. zugute.
Aufgrund seiner Nachbarschaft zu Ex-Jugoslawien (Kosovo-Konflikt), primär aber aufgrund innerer Spannungen zwischen links und rechts, nordalbanischen Gegen und südalbanischen Tosken ist das Land bis heute nicht so richtig zur Ruhe gekommen. Und das ist masslos schade, denn neben seinen Naturschönheiten verfügt Albanien über unglaublich gastfreundliche Menschen.
 

Einfahrt auf die Fähre

Ein letzter Blick auf Triest

Landschaft in Albanien

Das Zentrum von Tirana

Blick über Tirana

Die Berge bei Tirana

Entladen der LKW

Tirana, Skanderbeg-Platz

Auf dem Weg nach Elbasan

Elbasan

Elbasan

Altstadt von Elbasan